Sufi-Musik des Ditib-Sufi-Ensembles und Schilfrohrflötenmusik (Ney) mit Kudsi Erguner & Jazzpianist Michael Wollny in der Böhm-Chapel

St.  Ursula, die weiße Rundkirche im Kölner Vorort Hürth-Kalscheuren wurde von einem der bekanntesten Kirchenbauer, Gottfried Böhm in den 1954-1956 Jahren gebaut. Das Gotteshaus stand viele Jahre leer und wurde 2006 profaniert.

Der in Berlin bekannte und jetzige Kölner Galerist, Rafael Jablonka hat die veräußerte Kirche kürzlich gekauft und denkmalschutzgerecht renoviert.  Die ehemalige Kirche bietet jetzt als Böhm Chapel ein ganz eigenes Ambiente.

In dem einstigen Sakralbau finden sehr interessante Kunstausstellungen und Konzerte statt. Es ertönen Klänge des Sufismus, der islamischen Mystik mit dem ekstatischen Trancetanz, dem Sema, der Derwische.

Nachdem von Philip Glass zwei Minuten lang von dem Campanile die Glockenmelodie erklang, begann die mystische Musik, die sowohl dem Körper als auch der Seele eine Ruhe einhaucht. Die Sufi-Musik soll die Seele von schlechten Eigenschaften befreien und an universelle Werte wie Liebe, Toleranz und Geschwisterlichkeit gemahnen, wie einer der Musiker des fünfköpfigen DITIB-Sufi-Ensembles den zahlreichen Zuhörern erklärte. Kennzeichen der mystischen Praxis ist das Gedenken an den Schöpfer, das sich in der endlosen Wiederholung des Gottesnamens äußert. Für Viele sind am Anfang die gleichförmig-monotonen Gesänge fremdartig und doch faszinierend, die auf verschiedenen Instrumenten begleitet und von Trommelschlägen akzentuiert werden.

Der rituelle Trancetanz der Derwische dient ebenfalls dazu, sich der Macht des erhabenen Gottes und der eigenen Begrenztheit bewusst zu werden. Absolute Stille, ja fast ohne zu atmen, verfolgen die Besucher das genau festgelegte Zeremoniell, das den Auftritt der fünf Männer mit hohen Filzkappen und schwarzen Mänteln folgt, die nach mehrmaligen gegenseitigen Begrüßungsverbeugungen die Umhänge ablegen. Darunter tragen sie weiße Westen und weiße Röcke, die weit ausschwingen, wenn sie beginnen, sich mit ausgestreckten Armen langsam, dann immer schneller minutenlang in einer Richtung um die eigene Achse zu drehen.

Mittels des Trancetanzes soll man aus der Nüchternheit des Alltags in eine höhere Sphäre gelangen. Der linke Fuß bleibt dabei auf dem Boden, der rechte stößt sich ab und bestimmt den Drehschwung. Die Drehungen sollen von allen störenden Gedanken befreien und in Trance versetzen, sodass der Körper das Schwindelgefühl überwindet.

Während des Zuhörens des Konzerts betrachten die Besucher die Gemälde des amerikanische Malers Philip Taaffe, dessen Bilder mit grafischen Mustern, vom usbekischen Fliesenmuster bis zur Ornamentik des Islams und der orthodoxen Ostkirche, angeregt sind und die Beziehung der Malerei zu heiligen Orten, Ritualen und ekstatischen Zuständen darstellen.

Michael Wollny und Kudsî Erguner, zwei außergewöhnliche Künstler setzen unter dem Kuppelraum der Böhm-Chapel musikalische Akzente, bei dem der Orient und der Okzident sich vereint.

Der Star des deutschen Jazzpianos Michael Wollny zusammen mit dem türkischen Großmeister der Spielkunst auf der Schilfrohrflöte (Ney) Kudsî Erguner wagen selbstbewusst im Duo ein musikalisches Abenteuer, bei dem das Publikum mit immer neuen Klängen auf die spannende Entdeckungsreise geschickt werden und die kulturellen Barrieren aufgehoben werden.

Böhm-Chapel, Hans-Böckler-Straße 170 in Hürth-Kalscheuren, geöffnet Sa/So von 11-14 Uhr

Bericht: Kadri Akkaya/Fotos: Isabelle M. Beck

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s